Projekte

Allianz THÜRING bringt mit zwei Projekten die Ingenieurwissenschaften in Thüringen voran

Die in der Allianz THÜRING kooperierenden Hochschulen konnten zufrieden in den Sommer starten: Im Juli 2021 trafen die Zusagen für zwei Projektanträge ein, die beim Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft gestellt worden waren. Dort wurden das Projekt Wissenschaftskommunikation und das Projekt ProTELC – Pro Thuringian Life Cycle mit einer Laufzeit bis Ende 2025 bewilligt.

Projekt Wissenschaftskommunikation

Im Projekt Wissenschaftskommunikation geht es darum, die Ingenieurwissenschaften, die besonderen Forschungsstärken und die Forschungsleistungen der Allianz-Hochschulen besser sichtbar zu machen und dafür eine strukturierte und hochschulübergreifende Wissenschaftskommunikation aufzubauen. Dafür sollen geeignete Kanäle – etwa LinkedIn oder Xing – und geeignete Formate – z.B. Erklär-Videos und Animationen – genutzt und von allen an der Allianz beteiligten Hochschulen mit Inhalten gefüllt werden. Angesprochen werden sollen damit primär Unternehmen und Forschungspartner, wie beispielsweise außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, aber auch Forschende, die Medien und die allgemeine Öffentlichkeit.

Projekt ProTELC

Das Projekt ProTELC – Pro Thuringian Life Cycle macht es sich zur Aufgabe, die Thüringer Ingenieurwissenschaften im gesamten studentischen Lebenszyklus zu stärken und somit dazu beizutragen, dass die Studierenden in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen seltener das Studium wechseln oder abbrechen, dass sie bessere Ergebnisse erzielen und am Ende gute Perspektiven für eine Beschäftigung auf dem Thüringer Arbeitsmarkt haben.

Dafür werden unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, die sich auf die verschiedenen Zyklen des Studiums beziehen.

So soll zu Beginn eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums („Phasing In“) durch Vorkurse in den Grundlagenfächern die Anschlussfähigkeit der Studieninteressierten an die ersten Fachsemester unterstützt werden, wodurch Studienmotivation und Studieninteresse steigen und perspektivisch die Abbruchquote sinkt. Dies erfolgt durch die standortübergreifende Lernplattform „Basic Engineering School Thuringia (BEST)“, die auf der Basis und mit den Erfahrungen des BMBF-Projekts „BASIC Engineering School“ an der TU Ilmenau weiterentwickelt wird. Dabei werden Inhalte der unterschiedlichen Hochschulen eingearbeitet, sodass BEST von allen an der Allianz beteiligten Hochschulen nutzbar ist. Für die Einrichtung und Umsetzung der Vorkurse sind die TU Ilmenau und die Hochschule Nordhausen maßgeblich verantwortlich.

Zudem soll im Rahmen des Projekts ProTELC geprüft werden, ob und in welcher Form bzw. mit welchem Konzept ein ingenieurwissenschaftliches Orientierungsstudium in Thüringen aufgebaut werden könnte. Auch ein Orientierungsstudium würde dazu beitragen, dass Studienmotivation, Studienzufriedenheit und Studienerfolg steigen, weil die Wahl des Studienganges auf einer solideren Grundlage getroffen werden kann und die Anforderungen eines Studiums bereits im Vorfeld besser einschätzbar sind. Die TU Ilmenau und die Bauhaus-Universität Weimar arbeiten an dieser Konzeption eines Orientierungsstudiums zusammen.

Während des weiteren Studienverlaufs („Studying Successfully“) sollen Studienerfolg und Studienmotivation einerseits durch Auffrischungskurse und Mentoring, andererseits durch Science Camps unterstützt werden.

Im Gegensatz zu den Vorkursen des Studienbeginns geht es bei den Auffrischungskursen darum, an der Hochschule bereits vermitteltes (Grundlagen-)Wissen aufzufrischen, sodass es in den höheren Semestern abrufbar ist. Erfahrungsgemäß sind oftmals nämlich gerade die in den frühen Fachsemestern vermittelten Inhalte später nicht mehr präsent, was zu schlechteren Studienergebnissen oder Abbrüchen führt. Dem soll mit den hochschulübergreifenden Auffrischungskursen entgegengewirkt werden, die durch die FH Erfurt koordiniert werden.

Durch ein ingenieurwissenschaftliches Mentoring-Programm sollen zudem die in den MINT-Fächern unterrepräsentierten Personengruppen dabei unterstützt werden, ihr Studium erfolgreich zu absolvieren. Die Mentor*innen sollen dezentral durch die Hochschulen in Unternehmen gewonnen werden. Eine zentrale Koordinierungsstelle an der FH Erfurt vernetzt die Mentor*innen und Mentees über eine gemeinsame Plattform.

Durch das Instrument der Science Camps sollen herausragende Studierende der Ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge an Thüringer Hochschulen die Gelegenheit bekommen, sich zu vernetzen und durch hochschulübergreifende, interdisziplinäre Projektarbeit spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten zu erlangen. Die Camps sollen pro Jahr für je 35 Bachelor- und 35 Masterstudierende aus allen Allianz-Hochschulen angeboten werden. Im Camp werden die Teilnehmer*innen in Teams aufgefordert, das in vorbereitenden online-Liftkursen Erlernte zur Lösung von konkreten Problemen aus aktuellen Themenstellungen der Wissenschaft und Forschung anzuwenden. Die Themen der Kurse leiten sich aus fächerübergreifenden aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen ab. Speziell für die Präsenzwochen werden Kontakte zu thüringischen Industriepartnern gesucht. Die Gesamtkoordination und -organisation für die Science Camps übernimmt die Bauhaus-Universität Weimar.

Mit der Stärkung der Arbeitsmarktbefähigung befassen sich mehrere Einzelmaßnahmen in der letzten Studienphase („Phasing Out“). Besonders in den Blick genommen werden dabei die Absolvent*innen mit ausländischer Hochschulzugangsberechtigung insbesondere an Fachhochschulen, weil diese oftmals vor besonderen Herausforderungen beim Übergang in den Arbeitsmarkt stehen. Sie wurden zum Teil in Ländern und Bildungssystemen sozialisiert, in denen der Praxisbezug keinen besonderen Stellenwert hat, weshalb ihnen stellenweise das Wissen fehlt, die wechselseitigen Übergänge von der Hochschule zur Berufswelt persönlich wirkungsvoll und effizient zu gestalten.

Deshalb sollen E-Module und ein Plattformangebot zum Aufbau von Schlüsselkompetenzen beitragen, mit denen diese Studierenden leichter Zugang zur Berufswelt erlangen können. Die Betreuung der zentral vorgehaltenen Module liegt bei der Hochschule Schmalkalden.

Weitere dezentrale Unterstützung sollen die internationalen Studierenden bei der Suche nach Praktika und Abschlussarbeiten erhalten. Sie haben zumeist keinen Überblick über die regionale Wirtschaft und Wissenschaftseinrichtungen in Thüringen, wodurch die Abwanderung dieser Studierenden begünstigt wird. Durch dezentrale Beratungsangebote sollen die mit dem Thüringer Arbeitsmarkt weniger vertrauten Studierenden bei der Kommunikation mit entsprechenden Einrichtungen unterstützt werden.

Schließlich wird durch das Projekt auch eine Anlaufstelle für KMU der Region eingerichtet, so dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen mit häufig hohem Bedarf an Fachkräften sich an den Fachhochschulen gezielt informieren und um Absolvent*innen bemühen können. Die dafür einzurichtende elektronische Plattform für die Kontaktaufnahme von Unternehmen wird von der Ernst-Abbe-Hochschule federführend betreut.

All diese Maßnahmen sollen einen Beitrag dazu leisten, die Zahl der Studierenden in den Ingenieurwissenschaften in Thüringen auf einem hohen Niveau zu halten oder zu erhöhen und möglichst viele der Absolvent*innen auf dem Thüringer Arbeitsmarkt zu halten, wo absehbar der Bedarf an Fachkräften stark steigen wird.

Stellenausschreibungen im Zusammenhang mit ProTELC finden Sie HIER.